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Trends 22 Dezember 2016

Finance als
Geschäftspartner

Im modernen Finanzbereich geht es nicht mehr nur um Zahlen an sich, sondern vor allem darum, wie die Zahlen zum Vorteil des Unternehmens genutzt werden können. So agiert der Finanzbereich zunehmend strategisch als Geschäftspartner der Unternehmensführung.

„Um gute Entscheidungen zu treffen, braucht man korrekte Zahlen.“

Resonanzfunktion

Alex Gijzenberg ist Controller International bei HZPC. In dieser Funktion ist er Ansprechpartner für die Finanzexperten der weltweit mit HZPC verbundenen Unternehmen. Er stellt fest, dass die Finanzexperten immer stärker auch die Rolle von Beratern übernehmen. Alex Gijzenberg berichtet: „Die Aufgaben des herkömmlichen Controllers sind vom Rechnungswesen bestimmt. Sind die Zahlen korrekt und vollständig? Konnten die Prognosen erfüllt werden? Darüber werden dann Berichte erstellt.

Neben den traditionellen Aufgaben wie Kontrolle, Analyse, Berichtswesen und Budgetierung wird es immer wichtiger, der Unternehmensführung als Partner bei Entscheidungen auf der Grundlage richtiger Zahlen zur Seite zu stehen. Mir fällt auf, dass sich unsere Tätigkeit immer mehr in Richtung einer Geschäftspartnerfunktion verschiebt. Dabei wird zwar immer noch mit Zahlen gearbeitet, aber diese dienen vor allem als Grundlage für die Beratung der Unternehmensführung zum Vorteil des Unternehmens. Diese Funktion kann operationeller, aber auch strategischer Natur sein. Als Finanzexperte übernimmt man dann sozusagen eine Resonanzfunktion für die Unternehmensführung.“

HZPC und Innovation im Finanzbereich
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Bei HZPC wird im Finanzbereich in Maßnahmen zur Qualitätssteigerung und zur Zeitersparnis investiert. Alex Gijzenberg erläutert: „Wir nehmen unsere Arbeit ganz genau unter die Lupe und bemühen uns um Fortschritte. Darüber hinaus achten wir auf eine ausgewogene Mischung von Kompetenzen innerhalb unseres Teams, die auf die neuen Aufgaben des Finanzbereichs abgestimmt ist. Bei uns sind manche Mitarbeiter in der Funktion des Geschäftspartners tätig, andere beschäftigen sich mit den Zahlen und mit Compliance. Es ist wichtig, zu verstehen, dass es verschiedene Aufgaben gibt und dass diese Aufgaben von verschiedenen Personen ausgeübt werden können. Durch Fokussierung und Spezialisierung können wir die wachsenden, immer komplexeren Aufgaben meistern.

Der Bereich entwickelt sich stetig weiter. Da muss man sich mitentwickeln. Man muss die Möglichkeiten prüfen, Fachliteratur studieren und den Austausch mit anderen Unternehmen pflegen. Wir legen viel Wert auf Benchmarking. Dazu schauen wir uns an, wie andere bekannte Unternehmen mit bestimmten Fragen umgehen. Unabhängig davon, welcher Branche sie angehören. Auf diese Weise können wir von den Best Practices bei der Gestaltung der Funktion des Finanzwesens lernen.

Darüber hinaus haben wir die rein finanzielle Aufgabe um nichtfinanzielle Aspekte erweitert. Beispielsweise um die Leistungsmessung bei neuen Sorten. Auch das beinhaltet unsere Funktion als Geschäftspartner. Als Finanzexperten können wir anhand von genauen Messungen feststellen, ob das Unternehmen auf dem richtigen Weg zum Ziel ist. Oft werden wir erst im Nachhinein hinzugezogen. Wenn man aber Zwischenschritte formuliert, kann man den Prozess früher anpassen. Dafür entwickeln wir derzeit auf der Grundlage der bislang eingesetzten Balanced Score Card ein neues Tool.

Natürlich ist es kontraproduktiv, zu viel zu messen. Es ist aber wichtig, die richtigen Maßstäbe zu definieren, um ermitteln zu können, ob man auf dem richtigen Weg ist. Man muss also immer das richtige Maß finden. In Abstimmung mit verschiedenen anderen Unternehmensbereichen prüfen wir, was das Unternehmen braucht. Nur die Diskussion darüber führt zu neuen Erkenntnissen.“

„Internet- und Kommunikationstechnologie kann die Arbeit erleichtern, aber nur, wenn sie richtig implementiert ist.“

Spannungsfeld

Mit der neuen Funktion und der neuen zusätzlichen Aufgabe tut sich ein Spannungsfeld auf. Um gute Entscheidungen zu treffen, braucht man korrekte Zahlen. Gleichzeitig ist der Druck seitens der Finanzaufsicht in den letzten Jahren gestiegen und wird die Gesetzgebung unter anderem in den Bereichen Rechnungslegung und Steuern immer komplexer. Die Globalisierung verlangt zudem, dass man mit den in anderen Teilen der Welt geltenden Vorschriften und oftmals komplexen Strukturen bestens vertraut ist. All diese Aspekte erhöhen den Druck auf die verfügbare Zeit des Finanzbereichs.“

Kritischer Blick

„Big data“ ist ein weiterer Trend, bei dem erwartungsvoll auf den Finanzbereich geblickt wird. „Von uns wird erwartet, dass wir die Finanzdaten so strukturieren, dass man damit etwas anfangen kann“, sagt Alex Gijzenberg und fährt fort: „Internet- und Kommunikationstechnologie kann die Arbeit erleichtern, aber nur, wenn sie richtig implementiert ist. Um der Funktion als Geschäftspartners gerecht werden zu können, versuchen wir, durch mehr Automatisierung Zeit zu sparen. Wenn man Prozesse standardisiert und stärker automatisiert, bleibt mehr Zeit für Analysen. Beispielsweise arbeiten wir immer mehr mit digitalen Rechnungen, die auch automatisch verarbeitet werden.

Meine Empfehlung: Die eigenen Prozesse immer kritisch und offen betrachten! Die Tatsache, dass man Dinge jahrelang in einer bestimmten Weise gemacht hat, darf kein Grund sein, nichts verändern zu wollen. Veränderung kann schwierig sein, aber wenn man nichts verändert, bleibt möglicherweise zu wenig Zeit für Analysen und strategische Überlegungen. Trotz hohen Arbeitseinsatzes erfüllt man dann die Anforderungen der Unternehmensführung nicht.

Wir sind schließlich keine eierlegenden Wollmilchsäue. Die Arbeit wird immer komplexer. Manchmal ist es sinnvoll, externes Know-how hinzuzuziehen.“