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Zucht 25 Oktober 2014

Breeders Trust

Ohne Innovation keine Zukunft. Aber Innovation erfordert viel Geld. Die Entwicklung einer neuen Kartoffelsorte dauert zum Beispiel mindestens 10 Jahre und kostet bis zu 3 Millionen Euro! Und was ist, wenn dann jemand anders die Früchte davon erntet? Glücklicherweise gibt es hierfür den Breeders Trust.

Der Breeders Trust wurde 2008 aus Unzufriedenheit über die Tatsache, dass Saatgut weltweit illegal reproduziert und vermarktet und die Rechte der Züchter verletzt wurden, gegründet. Die Initiatoren waren neun führende Unternehmen für Saatkartoffelzucht und -Handel, einschließlich HZPC. Gemeinsam sind sie für über 80 % der neu entwickelten Kartoffelsorten innerhalb der EU verantwortlich. Breeders Trust Ltd. ist eine eher kleine Organisation mit Sitz in Brüssel, die sich die ganze Welt zum Spielfeld gemacht hat. Neben dem Direktor gibt es einen Projektmanager, und die Organisation setzt verschiedene spezialisierte Rechtsanwälte in ganz Europa ein. Ihr Ziel ist es, zu einer ungestörten Entwicklung neu gezüchteter Sorten beizutragen.

Wie es funktioniert

„Illegalität, Vertragsbrüche und Übertretungen der Züchterrechte können in der gesamten Kette vorkommen, nicht nur bei den Züchtern, sondern auch bei den Händlern und Verarbeitungsunternehmen“, so Geert Staring, Direktor des Breeders Trust. „Deshalb investieren wir in Kontakte innerhalb der gesamten Kette. Wir konnten feststellen, dass viel Unwissen über diese Gesetze und Bestimmungen herrscht. Wir versuchen also, die Interessenten durch Kommunikation zu erziehen und davon zu überzeugen, dass das Bezahlen von Lizenzen erforderlich und wichtig ist. Falls erforderlich, scheuen wir uns nicht, notorische Rechtsverletzer vor Gericht zu bringen, um ein Beispiel zu setzen. International bauen wir auf ein Netzwerk auf, in dem wir gute Kontakte zu Prüfdiensten, FSS-Inkassobüros, Behörden zur Betrugsbekämpfung und Lebensmittelsicherheitsbehörden pflegen. Indem wir sie auf konkrete Fälle hinweisen, helfen wir den Gesetzesvollstreckern sicherzustellen, dass die Rechte der Züchter auf der Tagesordnung bleiben.“

Mehr über die Arbeit des Breeders Trust

“Wir scheuen uns nicht, notorische Rechtsverletzer vor Gericht zu bringen”

Erfolge

„In den letzten paar Jahren machte der Breeders Trust häufig Schlagzeilen aufgrund gewonnener Gerichtsprozesse gegen Rechtsverletzer, und natürlich werden wir damit weitermachen.  Am stolzesten bin ich aber auf die Arbeit zur Systemverbesserung. Ein Beispiel: 2011 zwang Breeders Trust die belgische Bundesregierung anhand eines Prozesses dazu, die relevante Administration für die Farm Saved Seed zu übergeben. Im Rahmen der Lebensmittelsicherheit da unten werden alle Landwirte jährlich gebeten, die Anbauflächen für Farm Saved Seed (eine Reproduktion eines Teils der Ernte im eigenen Landwirtschaftsbetrieb) zu verwenden. Zu Beginn versteckte sich die belgische Regierung hinter Gesetzen zum Schutz des Persönlichkeitsrechts. Nach einem langen Prozess entschied der Richter zugunsten der angeschlossenen Zuchtunternehmen. Breeders Trust hat die rechtliche Befugnis, diese wesentlichen Informationen zu erhalten, um Rechte auszuüben. Seither haben einige andere europäische Unternehmen erfolgreich Informationen auf Grundlage des Gesetzes zur Informationsfreiheit und dieser Rechtsprechung erhalten.

Ein anderes Beispiel ist, dass wir in Italien vor Kurzem ein System eingerichtet haben, bei dem die Erfassung der FSS -Lizenzen auf effiziente Weise durchgeführt und verwaltet wird. Breeders Trust war kürzlich an einer derartigen Initiative unter anderem in der Tschechischen Republik beteiligt."

Weitere positive Entwicklungen
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Vielversprechende Schritte

Im Hinblick auf die Rechtsprechung, Implementierung und Durchsetzung der Rechte der Züchter sind einige Länder weiter entwickelt als andere. Selbst innerhalb von Europa gibt es große Unterschiede. Die gute Nachricht ist, dass wir uns langsam aber sicher in die richtige Richtung bewegen. In Frankreich erzielten Züchter im letzten Jahr endlich eine Einigung mit den Agrar-Gewerkschaften zur Erfassung von Farm Saved Seed-Lizenzen. 

Andererseits macht es die Gesetzgebung den Züchtern nicht wirklich leicht, denn Strafen fallen zu oft zu wenig abschreckend aus, um Übertretungen durch notorische Rechtsverletzer zu stoppen. Geert Staring: „Ich bin optimistisch, dass die Schäden aufgrund von Übertretungen durch kontinuierliche Kommunikation, Information und gelegentliche Prozesse zurückgedrängt werden können und die Züchter genügend Raum erhalten, sich weiterhin vollständig auf den Anbau zu konzentrieren.

Die richtige Einstellung

Positiv ist auch, dass deutlich sichtbar ist, dass die aktuelle Generation der Landwirte sich ihrer Position als Produzent von Rohmaterialien sehr bewusst ist. Sie sind ein wichtiges Glied in der Lebensmittelkette! Ihnen wird auch bewusst, dass die Erzeugnisse ohne Verarbeiter, Händler, Einzelhändler, aber auch Züchter, sinnlos sind.

In einer erfolgreichen modernen Kette sind alle voneinander abhängig. Der eine stärkt jedoch auch den anderen. Kurzfristiges Denken passt hier nicht hin. Natürlich wird es immer Kriminelle geben, die nur dann parieren, wenn sie grob behandelt werden. Breeders Trust agiert strikt gegen sie, im Interesse der ganzen Branche.

Gemeinsame Bemühungen

In einer idealen Welt wäre keine Rechtsprechung notwendig. Jeder würde verstehen, dass Lizenzen respektiert werden müssen und dass Übertretungen und illegaler Handel nicht akzeptabel sind.  In der tatsächlichen Welt sind neben Erklärungen und Informationen auch ausreichend Vollstreckungskraft notwendig, um alle auf der Spur zu halten.

Allein kann Breeders Trust seine Aufgabe nicht meistern und arbeiten. Wir bitten alle, die diesen Artikel lesen und unsere Grundsätze unterstützen, Missbrauch und Übertretungen zu melden: entweder anonym oder über die Website: www.breederstrust.eu. Das ist nicht nur im Interesse der Züchter, sondern auch in unser aller Interesse, jetzt und in Zukunft. Die Züchter müssen weiter Innovationen durchführen und bessere Sorten entwickeln, sodass für die nächsten Generationen ausreichend Nahrungsmittel bereitstehen.

“Am stolzesten bin ich auf die Arbeit zur Systemverbesserung”

Breeders Trust & HZPC

Warum ist Breeders Trust für HZPC wichtig? Anders als bei den Patentgesetzen muss der Eigentümer einer Sorte den Rechten der Pflanzenzüchter in der ganzen Welt zufolge alle Anwendungen einer proprietären Sorte prüfen, nachverfolgen und nachweisen, dass Lizenzgebühren gezahlt werden müssen, ansonsten können bestimmte Lose von (Saat-)Kartoffeln nicht vertrieben werden. Es gibt keine legale Verpflichtung, eine Lizenzgebühr zu zahlen, wenn der Eigentümer nicht in der Lage ist nachzuweisen, dass eine bestimmte proprietäre Sorte verwendet wird. Ein einziges unabhängiges Unternehmen ist kaum in der Lage, diese Arbeit ausreichend effizient weltweit zu leisten. Durch den Zusammenschluss mit einer großen Gruppe an Eigentümern von Kartoffelsorten sind wir in der Lage, diese Aufgabe zu meisten.

Wir freuen uns über die bisherigen Erfolge des Breeders Trusts. Sie haben zu einer veränderten Einstellung zu Lizenzzahlungen bei bestimmten Nutzern unserer Sorten geführt. Sie versetzen uns auch in die Lage, über Systeme zu sprechen und uns mit nationalen Landwirtschaftsverbänden zugunsten fast aller Kartoffelzüchter auf Systeme zu einigen. Als einzelnes Unternehmen ist das nicht möglich. Es ist schön zu sehen, dass die Graszüchter sich dieser Initiative angeschlossen haben und dass die Gemüsezüchter eine ähnliche Organisation geschaffen haben.