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Kartoffelwissen 25 Oktober 2014

Die Macht der
native Kartoffeln

photography Jim Richardson

Gesunde Nahrungsmittel und eine Neubewertung der ursprünglichen Lebensmittel sind heutzutage heiße Themen. Stef de Haan, Agrarökologe beim CIP International Potato Centre in Lima, ist von den nativen Kartoffelsorten begeistert, die er in Peru, der Wiege der Kartoffel, entdeckt und untersucht. Diese nativen Kartoffeln sind von vielen Geheimnissen und Traditionen umgeben. Aber kann dieses "echte Gold" der Inka wirklich dabei helfen, gesünder zu werden?

Perus Kartoffelkraft

Peru, ein Land, das seit fast 7.000 Jahren Kartoffeln anbaut, rühmt sich, über 4.500 Sorten des weltweit liebsten Gemüses zu haben, der Kartoffel. Diese Knolle kommt in allen Formen, Farben und Größen. Sie ist nicht nur hübsch anzuschauen, sie hat auch 5 Mal so viele Vitamine, Carotine und Antioxidantien wie normale Kartoffeln. Die bemerkenswerten Eigenschaften dieser Kartoffeln sind eine wertvolle Quelle bei der Entwicklung widerstandsfähigerer und nahrhafterer Kartoffeln. Sie eröffnen tatsächlich eine ganz neue Welt voller Möglichkeiten im Kampf gegen Armut, Unterernährung und bei der Sicherung der weltweiten Nahrungsmittelversorgung. Und genau darum bemüht sich das CIP International Potato Centre.

Sie ist nicht nur hübsch anzuschauen, sie hat auch 5 Mal so viele Vitamine, Carotine und Antioxidantien wie normale Kartoffeln.

Kampf gegen die weltweiten Nahrungsmittelprobleme

"Beim CIP bewahren wir Kartoffelsorten vor dem Aussterben, stärken ihre genetischen Wurzeln, sodass wir sie für die Zukunft sichern können, und verwenden sie, um kräftigere Sorten zu entwickeln", erklärt Stef de Haan. "Unsere landwirtschaftliche und wissenschaftliche Forschung ist darauf ausgerichtet, das Leben derer, die unter weniger günstigen Bedingungen leben, zu verbessern. Ein paar der Programme, an denen das CIP arbeitet:

  • In Afrika ist Blindheit nicht selten. Das CIP führte eine orangene Süßkartoffel mit einem hohen Anteil an Carotinen in Afrika ein, um diese Krankheit zu bekämpfen.
  • In Asien arbeitet das CIP an der Entwicklung einer agilen Kartoffel, die schnell reift. Landwirte können diese Kartoffel im Winter zwischen zwei Reisernten anbauen und von einer zusätzlichen Einnahmequelle profitieren.
  • In Küsten- und Bergregionen bedrohen Klimaveränderungen die Landwirtschaft. Die kleinen Landwirte, die dort leben, sind zum Überleben oft von Ihrer Ernte abhängig. Das CIP hilft Ihnen, widerstandsfähiger gegen Wettertrends und -schocks zu werden.

Altes Wissen und neue Wissenschaft

Es ist eine Schande, dass die Welt nur eine Handvoll Kartoffelsorten kennt, während diese breite Palette an nativen Sorten so viel Potenzial hat. "Es kostet sehr viel Mühe, sie zu finden", erklärt Stef de Haan. "Die Landwirte, die sie anbauen, leben in Gebieten, die abgelegen und schwer zugänglich sind. Wenn wir "neue" Sorten finden, dann arbeiten wir mit den Landwirten, um uns ihr Wissen über die Sorte, ihre Eigenschaften und ihre Anbaumethoden anzueignen. Wir haben festgestellt, dass Frauen traditionell viel über den Ursprung der Sorten wissen, über ihre Nährwerte und die medizinische Verwendung. Letztendlich untersuchen wir die Kartoffeln in unserem Labor gründlich, um Dinge zu erkennen, die das bloße Auge nicht sieht. Wenn wir entscheiden, sie zu kreuzen, dann dauert es weitere 8 bis 10 Jahre, bis Ergebnisse vorliegen. Es ist also richtig zu behaupten, dass der gesamte Prozess Zeit in Anspruch nimmt. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass altes Wissen und neue Wissenschaft ein großes Potenzial haben, wenn es darum geht, Pflanzen zu verbessern und die zukünftige Anpassung des Menschen an sich verändernde Umgebungen und aussterbende Sorten zu verbessern."

Stef de Haan (on the left) in Peru
Stef de Haan (on the left) in Peru

HZPC & Nutzenverteilung

HZPC unterstützt das CIP bei einem Programm zur Nutzenverteilung Nutzenverteilung bedeutet, dass die Landwirte, die native Pflanzen anbauen, mehr Vorteile aus ihren Bemühungen ziehen. Gäbe es diese Landwirte nicht, könnten wir keine Produkte wie Kartoffeln, Kaffee oder Kakao genießen. Bei diesen Landwirten liegt der Ursprung unserer Nahrung. Im Fall der Kartoffel jedoch leben die meisten dieser Landwirte in Armut und arbeiten unter rauen Bedingungen.

Die Regierungen haben erkannt, dass diese Landwirte, die die Biodiversität schützen, die "Custodian Farmers", eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung nativer Arten und der Biodiversität spielen. Sie entschieden, dass diese Landwirte mehr Anerkennung für ihre Arbeit verdienen und gründeten einen internationalen Fonds zur Nutzenverteilung. Nicht alle dieser 800.000 kleinen Landwirte in den Anden, die sich für den Fonds qualifizieren könnten, haben notwendigerweise viel Kontakt mit der Außenwelt, und viele sind eventuell sogar Analphabeten.

HZPC und CIP haben, gemeinsam mit nationalen Partnern in Peru (Grupo Yanapai, INIA, SPDA), begonnen, an einem neuen Modell zur praktischen Implementierung der Nutzenverteilung bei diesen Custodian Farmers zu arbeiten. Das Konsortium aus Institutionen möchte die Landwirte in die Lage versetzen, sich selbst zu organisieren und vertreten, sodass sie bestmöglich von einem Startup-Fonds profitieren, den HZPC verfügbar gemacht hat. Um diesem Vorhaben Form zu geben, hat es ihnen geholfen, einen Verband zu gründen, der jetzt ein Pilotprojekt mit 43 dieser Landwirte durchführt. Die Landwirte haben vor kurzem ihr erstes Geld für landwirtschaftlichen Input, Bildung und Gesundheitsfürsorge ausgegeben.

Über CIP

  • Gegründet 1971 als Institution für Entwicklungsforschung im Bereich Wurzeln und Knollen; es liefert nachhaltige Lösungen für dringende, weltweite Probleme im Hinblick auf Hunger, Armut und die Schädigung der natürlichen Ressourcen.
  • CIP ist ein globales Zentrum mit Hauptsitz in Lima (Peru) und Niederlassungen in 20 Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Lateinamerika.
  • Es verfügt über die weltweit größte Genbank mit über 80 % der nativen Kartoffel- und Süßkartoffel-Kulturvarietäten.
  • Es ist Mitglied bei der CGIAR, einer internationaler Organisation aus 15 Zentren, die Forschungsarbeiten für eine lebensmittelsichere Zukunft durchführen.

Wussten Sie schon?

  • Ganz oben in den Anden gibt es die "The Chirapaq Ñan Initiative", ein Netzwerk aus sogenannten Hotspots mit einer hohen Vielfalt an nativen Kartoffelsorten, das Bolivien, Kolumbien, Ecuador und Peru verbindet. Die Idee besteht darin, die Aufrechterhaltung der Biodiversität systematisch zu überwachen.
  • Jedes Jahr feiert das peruanische Folk den "Día de la Papa" (Tag der Kartoffel). Es bringt der "Pachamama" (Mutter Erde) Geschenke, Lebensmittel und Getränke, um ihr Respekt zu zollen.
  • Es gibt eine alte Tradition, bei der junge Frauen in einigen Regionen lernen müssen, wie die "Papa de la Nuera" (Brautkartoffel) richtig geschält wird, bevor sie heiraten dürfen.
  • Landwirte in den hohen Anden gefriertrocknen die Kartoffeln zu einem schneeweißen Produkt mit der Bezeichnung "Chuño or tunta". Es lässt sich bis zu 10 Jahre lagern.

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